Am Kronenplatz in Dietikon, Kanton Zürich, zwischen der Taverne «Zur Krone» und den umliegenden Wohnhäusern, steht die Zehntenscheune – ein mächtiger, ländlicher Baukörper, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich vom Kloster Wettingen zur Lagerung des Zehnten genutzt, blieb die Scheune in ihrer Struktur und Erscheinung über Jahrhunderte weitgehend unverändert erhalten.
Die Umnutzung des leerstehenden Gebäudes zu einem Veranstaltungsort nahm diese Ausgangslage als Geschenk an. Das Projekt vertraute auf die Beständigkeit der Typologie, auf die räumliche Logik und die konstruktive Hervorhebung des Bestands. Aus dieser Haltung heraus entstand ein Konzept, das die vorhandene Struktur nicht überformte, sondern sie in einen neuen Zusammenhang überführte – als Transformator zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Im Zentrum steht der bis unter das Dach reichende Tenn, der einst als Durchfahrt diente. Hier wurde die neue Erschliessung angeordnet, die sich spielerisch hinter dem grossen Tor zeigt und zugleich auf die Mehrgeschossigkeit des Raumes verweist. Eine gegenüberliegende Galerie im Dachraum des ehemaligen Heulagers ergänzt diese vertikale Schichtung und vermittelt zwischen Hauptraum und Dachraum.
Der grosse Veranstaltungssaal unter dem Dach erzählt von der zimmermannsmässigen Konstruktion, deren handwerkliche Präsenz die Atmosphäre des Raumes prägt. Neue Elemente – wie die akustische Ausstattung, deren Gliederung an die Ziegellattung erinnert, oder die kulissendünne, runde innere Fassadenschicht zur Galerie – treten in einen feinen Dialog mit dem Bestand. Im ehemaligen Stall im Erdgeschoss wurde die geschichtete Ordnung aufgenommen und mit dienenden Räumen fortgeführt.
Der pragmatische, konstruktive Aufbau steht in einer langen baumeisterlichen Tradition, die sich über Zeit und Stil hinweg fortsetzt. Beschädigte Bauteile wurden durch neue, handwerklich gearbeitete Elemente ersetzt – sichtbar, ehrlich und selbstverständlich. Mit der Zeit werden sich diese Eingriffe im Holz, in den Zangen des Dachwerks oder den statischen Ertüchtigungen der Bohlenwände mit dem Bestand verweben – als Teil einer fortgeschriebenen Geschichte.