Studienauftrag, ZWEITER PREIS
Schopfheim liegt im Wiesental und besitzt einen historisch gewachsenen Stadtkern mit mittelalterlicher Struktur und klassizistischer Erweiterung. Diese zweite Schicht der Stadt bildet eine markante Stadtkante entlang der Hauptstrasse – geprägt von trauf- und giebelständigen Häusern, die sich tief in durchgrünte Hof- und Gartenräume erstrecken. Das Uehlin-Ensemble ist Teil dieser klassizistischen Stadtkante und zugleich ein Erinnerungsort von besonderer kulturgeschichtlicher Bedeutung.
Das Projekt sieht den Erhalt des Uehlin-Ensembles vor und ergänzt es um Neubauten, die sich aus seiner Logik heraus entwickeln. Entlang der Scheffelstrasse staffeln sich die neuen Baukörper in die Tiefe des Quartiers und passen sich der gewachsenen, leicht porösen Struktur des Areals an. Zwischen den Gebäuden entstehen kleine Freiräume und Wege, die eine fein abgestufte Durchlässigkeit zwischen Stadt, Hof und Garten erzeugen. So vermittelt das Projekt zwischen dem lebendigen Stadtraum im Süden und den ruhigeren Wohnlagen im Inneren des Blocks.
Die Neubauten fassen die Freiflächen und bilden einen halböffentlichen Innenhof, der Wohnen und Einkaufen verbindet. Entlang der Strasse sind die Ladenlokale klar adressiert; sie sorgen für städtische Präsenz und beleben das Quartier. Nach innen öffnet sich das Ensemble zum durchgrünten Hof, der den Bewohnern einen ruhigen, geschützten Aussenraum bietet. Die Neubauten übernehmen in Mass und Haltung Bezug auf den Bestand und treten als eigenständige, aber verwandte Baukörper in Erscheinung.
Die flexible Grundrissdisposition erlaubt unterschiedliche Kombinationen der Nutzungen – vom Einzelhandel über Gastronomie bis zu Wohnungen mit grosszügigen Aussenbereichen. Die hallenartigen unteren Geschosse reagieren auf die Anforderungen grosser Verkaufsflächen, während die oberen Ebenen ein differenziertes Wohnen mit vielfältigen Licht- und Raumbezügen ermöglichen. Der Bestand wird mit gezielten Eingriffen behutsam angepasst und erhält so eine neue Nutzungsperspektive – ob als Wohnraum, Geschäftshaus oder Ort kultureller Vermittlung.
Die Verbindung von Alt und Neu wird nicht über formale Gleichsetzung, sondern über atmosphärische Affinität erreicht. Das Projekt liest den Ort, übernimmt seine Körnung und Materialität und übersetzt sie in eine zeitgenössische architektonische Sprache – als Weiterführung des Stadtraums zwischen Geschichte und Gegenwart.