Das ehemalige Lagerhaus an der Isteinerstrasse 82 im Norden Basels bot eine Vielzahl an baulichen Ressourcen, die zur Weiterverwendung einluden. Die in Beton gegossene Struktur mit hoher Tragfähigkeit, die grosszügig verglaste Südfassade und die bestehende Autoeinstellhalle unter dem Gebäude bildeten ein solides Fundament für eine Umnutzung zu Wohnzwecken. Gleichzeitig galt es, Herausforderungen wie die grosse Bautiefe und die Lage der früheren Erschliessung zu bewältigen sowie die bestehende Gewerbe-Freifläche im Hof zu gestalten.
Das Gebäude liegt im dicht bebauten, ehemals industriell geprägten Kleinbasel, unweit der französischen Grenze. Zwischen Gewerbebauten, Bahnlinien und Wohnhäusern entstand eine urbane Nachbarschaft mit wachsender Durchmischung. Die Transformation des Lagerhauses fügt sich in diesen Kontext ein, in dem sie den Bestand erhält und seine Präsenz im Quartier stärkt – als Beitrag zu einer ressourcenschonenden Stadterneuerung.
Nachhaltigkeit radikal verstanden bedeutet hier die möglichst unveränderte Wiederverwertung des Bestandes. Die Herausforderung lag darin, die Widersprüche des ehemaligen Lagerhauses nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt zu begreifen – und daraus eine atmosphärische Wohnqualität zu entwickeln. Die robuste Tragstruktur ermöglicht ein freies Setzen von Wänden und somit die Entwicklung unterschiedlich grosser Wohnungen – kleinere im Erdgeschoss, mittlere im ersten und grössere im zweiten Obergeschoss. Die Grundrisse reagieren auf die wechselnde Besonnung in den Geschossen.
Gerundete Raumtrennungen inszenieren die skulpturale Struktur des Hauses und führen das Licht sanft in die Tiefe. Entlang der Brandwand wurde ein Erschliessungsgang angelegt, dessen runde Eingangsräume als kleine Entrees gestaltet und individuell möblierbar sind. Die im leicht überhöhten Mittelbau vorhandene Haupttreppe mit Lift blieb erhalten und strukturiert den neuen Grundriss.
Da im Hofraum keine Aussenräume realisiert werden durften, entstanden auf den Dächern private Gärten als Erweiterung des Wohnangebots. Die Umnutzung zeigt, dass der Bestand nicht als Einschränkung, sondern als Quelle räumlicher und atmosphärischer Qualität verstanden werden kann – als Bau, der seine Geschichte weiterschreibt und zugleich neue Wohnformen ermöglicht.