Die Nachverdichtung historischer Dorfkerne stellt eine doppelte Herausforderung dar: Sie verlangt nach einer Weiterentwicklung der gewachsenen Strukturen, ohne deren Charakter zu verlieren. In Therwil entstand so ein Projekt, das die lokalen Bautraditionen ernst nimmt und diese formal übersetzt.
Der alte Dorfkern von Therwil im Baselbiet ist geprägt von landwirtschaftlichen Wohnbauten, engen Gassen und kleinen Hofräumen. Hier sollte ein neues Wohnhaus den Bestand respektieren und zugleich auf die heutigen Bedürfnisse reagieren. Das realisierte Projekt richtet sich an ältere Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde, die nach dem Leben im Einfamilienhaus im vertrauten Umfeld bleiben möchten – mit geringerem Raumbedarf, aber hoher Wohnqualität.
Die kompakt geschnittenen, altersgerechten Dreizimmerwohnungen verbinden die Nähe zum Dorf mit der Bequemlichkeit einer modernen Infrastruktur. Jede Wohnung wird über eine Wohnküche direkt vom Aussenraum betreten – eine Reminiszenz an die traditionelle Bauernküche, die als offener Kommunikationsraum das Herz der Wohnung bildet. Von hier aus entwickelt sich die Wohnung nach Südwesten und öffnet sich über eine einfache Raumdisposition zu zwei oder drei grosszügigen Zimmern mit rollstuhlgängigem Bad.
Die Grundrisse sind so angelegt, dass sie verschiedene Nutzungsvarianten erlauben – vom klassischen Wohn-Schlafzimmer bis zu flexiblen Kombinationen. Die Typologie erinnert an das Baselbieter Bauernhaus, bleibt aber durch ihre Kompaktheit und Vertrautheit auch für ältere Menschen gut überschaubar. Unterschiedliche Grade der Privatheit ermöglichen sowohl Rückzug als auch gemeinschaftliches Beisammensein – eine Balance, die Geborgenheit und Selbstständigkeit zugleich fördert.
Die städtebauliche Setzung fügt sich räumlich sinnvoll in den Dorfkern ein. Der Neubau reagiert auf die Massstäblichkeit der Nachbarschaft, interpretiert Materialität und Proportion des Bestands neu und bildet so eine prägnante und charaktervolle Antwort auf das verdichtete Bauen im historischen Kontext.