Studienauftrag, 1. Preis
Am Rand des Basler St. Johann-Quartiers, nahe der französischen Grenze, entstand in den Gebäuden der ehemaligen Schalter- und Steckdosenfabrik Levy Fils AG ein besonderer Ort für Musiker. Die Stiftung Habitat erwarb das 1885 erbaute Fabrikensemble mit der Absicht, neuen Lebens- und Arbeitsraum für musizierende Menschen zu schaffen – ein Haus, das Wohnen, Üben und Gemeinschaft vereint.
Aus dem heterogenen Konglomerat verschiedener Gebäudeteile entwickelte das Projekt eine architektonische Ordnung. Die industriellen Strukturen blieben ablesbar und wurden zu Trägern neuer atmosphärischer Qualitäten. Im Vorderhaus an der Lothringerstrasse blieb das Bestehende weitgehend erhalten und wurde bedächtig weitergebaut. Im Hinterhaus hingegen entstand eine neue Fassade, die mit ihrem schichtartigen Aufbau das Tragende, Einhüllende und Schliessende thematisiert.
Das Musikerwohnhaus vereint grosszügige Familienwohnungen, zwei Wohngemeinschaften, vier Gästezimmer sowie separate Übungsräume, ein Tonstudio, eine Spielhalle und eine Cafeteria. Integrierte Musikzimmer mit bis zu 65 Dezibel Schallisolation ermöglichen das Üben und Unterrichten direkt in den Wohnungen.
Die neuen Räume reagieren auf die Logik des Bestands. Die Lage der Trennwände, der Grad der Öffnung und der Wechsel von Glas, Mauerwerk und Ausfachung folgen der Geschichte des Gebäudes. Dort, wo früher Lagerflächen offen waren, tritt heute Glas in den Vordergrund; an den Stellen der geschlossenen Wände bleibt die Massivität spürbar. So bleibt der Hallencharakter der alten Fabrik erhalten und erfährt zugleich eine neue Nutzungsqualität.
Im Vorderhaus bilden die früheren Verwaltungsräume eine vertikale Abfolge von öffentlichen zu privaten Zonen: im Erdgeschoss befinden sich Übungsräume und das Tonstudio, in den Obergeschossen die Wohnungen und Gästezimmer. Im Hinterhaus wurde die ehemalige Holzkonstruktion der Lagerhalle in eine neue Struktur aus Betonstützen, Trägern und diagonalen Stahlstreben übersetzt. Auf der Südwestseite entstanden Maisonettewohnungen als Mischung aus Reihenhaus und Hofrandbebauung, auf der Nordwestseite erinnern Gemeinschaftswohnungen an die Atmosphäre der früheren Hallen.
Die Cafeteria im umgenutzten Werkstattgebäude bildet das soziale Zentrum der Anlage. Sie verbindet Musikerfamilien, Studierende, temporäre Gäste und Nachbarn – ein Ort der Begegnung, an dem das frühere industrielle Leben in eine neue, kulturelle Gemeinschaft überführt wurde.