«Das Imhofhaus – wo Erbe und Gegenwart ineinandergreifen»

Imhofhaus

Binningen,

2008

Das Weiterbauen aus der Substanz heraus – das Imhofhaus verbindet Geschichte und Gegenwart zu einem neuen, stillen Ganzen.

Das spätgotische Imhofhaus liegt in der Baselbieter Gemeinde Binningen, unweit des Schlosses und eingebettet in eine kleinteilige Struktur von Gassen und Hofräumen. Über die Jahrhunderte wurde das Gebäude mehrfach erweitert – zuletzt in den 1930er-Jahren durch einen Garagenanbau. Diese gewachsene Konstellation aus drei hintereinander gestaffelten Volumen bildet den Ausgangspunkt für die heutige Umnutzung zu Hotel und Standesamt.

Das Projekt versteht sich als Weiterführung dieses historischen Gefüges. Zwei neue, kleinere Baukörper ergänzen das bestehende Imhofhaus und übernehmen dessen Prinzip der teleskopartigen Staffelung. Die Erweiterungen entstehen gleichsam aus dem Bestand heraus: Sie folgen seiner Logik, übernehmen konstruktive Gesetzmässigkeiten wie das Satteldach und entwickeln sie weiter. Auf diese Weise bleibt das vertraute Bild der drei gestuften Häuser bestehen und wird zugleich neu formuliert.

Die Verbindung von Alt und Neu wird nicht durch Kontrast, sondern durch Kontinuität geschaffen. Das denkmalpflegerische Prinzip der Ergänzung wird zur architektonischen Haltung – die neuen Teile unterscheiden nicht zwischen Bewahrung und Erneuerung, sondern setzen beide in Beziehung. Das zentrale Treppenhaus, als gemeinsamer Raum für alle drei Volumen, verbindet die Gebäude funktional und atmosphärisch.

Im Inneren wurde die neue Nutzung unter Wahrung der historischen Substanz eingeführt. Die Hotelzimmer folgen der bestehenden Raumstruktur, sind jedoch neu interpretiert: Die Nasszellen sind nicht als Einbauten, sondern als integrierte, eigenständige Schichten konzipiert, wodurch selbst kleine Räume Grosszügigkeit erhalten. Das Erdgeschoss nimmt Rezeption, Frühstücksraum und Fumoir auf, während das Standesamt mit Trauzimmer und Nebenräumen im historischen Teil untergebracht ist.

Auch in der Materialität begegnen sich Alt und Neu auf selbstverständliche Weise. Die Farbigkeit des Hotels bezieht sich auf gotische Vorbilder; im Imhofhaus selbst kräftiger, in den Erweiterungen heller abgetönt. Einzig die Fenstergestaltung deutet die Bauzeitunterschiede an – tief liegende Holzfenster in Sandsteinlaibungen im Altbau, bündig gesetzte Öffnungen in den neuen Teleskopteilen. Das Ensemble tritt so als ein Ganzes auf, das Geschichte fortschreibt, ohne sie zu imitieren.

Projektbeteiligte

Matthias Aebersold

Bauherrschaft

Gemeinde Binningen

Baudaten

2006-2008, Wettbewerb 2000, 1. PREIS

Standort

Schlossgasse 2, Binningen / BL

Bildnachweis

Michael Fritschi, Christian Flierl

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