Studienauftrag, “Gartengenossen”, 1. Preis
Die Siedlung Im Langen Loh im Basler Norden gehört zu den prägenden Wohnanlagen aus der Handschrift Hans Bernoullis. Die Zeilenbauten am Morgartenring stehen exemplarisch für das genossenschaftliche Wohnen des frühen 20. Jahrhunderts, doch ihre Wohnungen sind heute zu klein, die Bäder nicht altersgerecht, und Lifte fehlen. Um den sozialen Wandel der Bewohnerschaft aufzufangen und einer zunehmenden Segregation entgegenzuwirken, wurde nach einer Strategie gesucht, die den Bestand respektiert und zugleich strukturell weiterentwickelt.
Das Projekt versteht sich als zweiphasiges Modell für eine sanfte Transformation. In einem ersten Schritt wird entlang der Bahngleise eine Reihe von sechs neuen Baukörpern errichtet. Sie bilden mit dem bestehenden Bestand keine Konkurrenz, sondern schaffen Freiräume – räumlich wie organisatorisch. Zwischen den Gebäuden entstehen halböffentliche Höfe, die über einen Quartierweg miteinander verbunden sind und sich terrassenartig zum tieferliegenden Bahnkörper öffnen. Die Neubauten ermöglichen durch ihre Gebäudetiefe grosszügige Grundrisse mit durchdachtem Zuschnitt. Auf den Terrassen profitieren die Bewohner von der Belichtung über drei Himmelsrichtungen und von einem Wechselspiel aus Privatheit und gemeinschaftlichem Leben. In den Erdgeschossen sind kleine Wohnungen mit Gärten vorgesehen, während die Kopfbauten Platz für gemeinschaftliche Nutzungen wie Café, Veranstaltungsraum oder Tagesstätte bieten.
In einer zweiten Phase soll der bestehende Wohnungsbestand schrittweise erneuert werden. Hierfür wird ein modular aufgebautes Baukastensystem vorgeschlagen, das verschiedene Eingriffsstufen erlaubt – von der sanften Renovation bis zur umfassenden Anpassung der Grundrisse. Die Module können je nach Bedarf, strategischer Ausrichtung oder Mitwirkung der Bewohner kombiniert werden. Diese partizipative Erneuerungsstrategie respektiert den Charakter der Bernoulli-Häuser und ermöglicht zugleich deren Weiterentwicklung im Sinne einer sozialen, ökologischen und architektonischen Nachhaltigkeit.
So wird die Siedlung Im Langen Loh nicht ersetzt, sondern in Etappen erneuert – als lebendiges Beispiel für das Weiterbauen im Bestand, das Geschichte, Gegenwart und Zukunft in ein produktives Verhältnis bringt.