Das Blindenheim Basel ist seit über hundert Jahren eine Institution, die sehbehinderten Menschen ein Zuhause mitten in der Stadt bietet. Diese innere Haltung – Teil des öffentlichen Lebens zu sein, sichtbar und integriert – bildet die Grundlage für den Neubau. Gesucht ist ein Haus, das sich nicht zurückzieht, sondern als Ort des Wohnens, Arbeitens und Begegnens im urbanen Alltag verankert ist.
Der vorgesehene Standort liegt an der Hangkante des Birsigtals, am Übergang zwischen Innenstadt und Wohnquartier. In direkter Nachbarschaft zur Frauenarbeitsschule von Hans Bernoulli entsteht so eine besondere topografische Situation: ein Ort am Bruch, zugleich verbunden und eigenständig. Der Neubau setzt sich als klarer, freistehender Baukörper an die Hangkante und führt die städtebauliche Linie der bestehenden Gebäude weiter.
Diese Setzung bringt zwei Qualitäten in Einklang: die Eigenständigkeit des Hauses im Strassenraum und die Offenheit des Hofes, der als geschützter Aussenraum für Bewohnerinnen und Bewohner dient. Die abgerundete Gebäudeecke vermittelt subtil zwischen Hof und Strasse und schafft eine Abfolge von differenzierten Räumen – halb öffentlich, halb privat. Durch die Verengung an der Kante entsteht eine Ambivalenz, die sowohl Orientierung als auch Geborgenheit vermittelt.
Die innere Organisation folgt dem Prinzip der Klarheit. Der Eingang liegt an der Kohlenberggasse, in unmittelbarer Nähe eines kleinen Platzes mit Brunnen, der als akustische und räumliche Orientierung dient. Eine zentral gelegene Lobby verbindet Empfang, Schauwerkstatt, Erschliessung und Restaurant mit hofseitigem Aussenraum. Sichtbezüge und kurze Wege unterstützen die Orientierung im Haus – ein entscheidender Aspekt für sehbehinderte Bewohnerinnen und Bewohner.
Die Küche liegt funktional richtig zwischen Restaurant und Versorgungslift, der die Essräume in den Obergeschossen bedient. Verwaltung, Lingerie und interne Arbeitsräume befinden sich im Gebäudeteil zur Frauenarbeitsschule, wodurch logistische Abläufe klar und effizient bleiben. Die abgerundete Gebäudekontur verkürzt die Gänge um rund dreissig Prozent und ermöglicht eine kompakte, ökonomische Grundrissstruktur.
Das Projekt versteht das Haus als Teil des Stadtlebens – offen, vernetzt und zugleich schützend. Ein Ort, der Nähe und Orientierung in räumliche Form übersetzt.