Temporäres Wohnen bedeutet, für kurze Zeit einen Ort zu bewohnen, der zunächst fremd ist – und doch Heimat werden soll. Architektur übernimmt dabei die Aufgabe, Vertrautheit zu schaffen, wo Bindung erst entsteht.
Der Bestand des ehemaligen Color-Metall-Werks in der Zürcher Binz bietet eine ideale Ausgangslage für ein solches Wohnen auf Zeit. Seine industriellen Strukturen, die klare Ordnung und die robuste Materialität schaffen einen unverwechselbaren Rahmen, um studentisches und USZ-Wohnen atmosphärisch miteinander zu verbinden.
Im Zentrum des Entwurfs steht die ehemalige Montagehalle, um die sich neue Baukörper unterschiedlicher Höhe gruppieren. Angelehnt an die Typologie der Fabrik, entstehen zwei Gebäudekonglomerate mit differenzierten Raumstimmungen. Die Baukörper staffeln sich rechtwinklig in den Hofinnenraum und beziehen sich in ihrer Setzung auf die umgebenden industriellen Nutzungen.
Die Wohnstudios sind kompakt, aber reich an Details, die den Alltag prägen. Vom Laubengang oder der Halle aus gelangt man in den Wohnraum, der sich leicht versetzt über Küche, Nassbereich und Schlafraum entfaltet. Der Grad der Privatheit nimmt dabei sukzessive zu. Eine klare Raumabfolge und einfache, robuste Materialien erzeugen Vertrautheit – nicht durch Repräsentation, sondern durch Selbstverständlichkeit.
Die Kleinküche mit Sitzgelegenheit öffnet sich zum Laubengang, der je nach Bedürfnis Rückzug oder Begegnung ermöglicht. Das Fensterbrett dient als kleine Schwelle zwischen Innen und Aussen – ein Ort zum kurzen Verweilen. Der quadratische Zuschnitt des Schlafraums erlaubt eine maximale Flexibilität der Möblierung.
So entsteht eine Architektur, die das Wohnen auf Zeit als Form der Aneignung versteht: offen, einfach, und doch voller Charakter.