Blindenheim Basel

Basel

, 2019

Das Blindenheim ist seit über hundert Jahren eine Basler Institution die für sehbehinderte Menschen ein Zuhause in Mitten der Stadt anbieten will. Diese Tatsache ist insofern erstaunlich da sie den Bezug zum täglichen Leben in der Stadt sucht und nicht irgendwo ausserhalb der Augen der Gesellschaft am Rande zur Agglomeration situiert ist. Ein Haus im Mitten des Lebens, ein Haus mit starkem Identität stiftendem Wesen ist gesucht für den Neubau dort wo das Leben pulsiert und die soziale Vernetzung am dichtesten ist. Der Ort am Geländeabbruch zum Birsigtal der Innenstadt scheint geradezu programmatisch gewählt für die sozialen Absichten des Blindenheims. Der vorgeschlagene Neubau setzt sich als eigenständig formulierter Baukörper an die Hangkante und vermag sich so in Situierung mit der Frauenarbeitsschule von Hans Bernoulli zu verbinden als die Hangkante begleitende Baukörper. Diese situative Logik bringt zwei Qualitäten in Einklang; die Eigenständigkeit des Hauses mit dem Strassenraum und der offenen Qualität des Hofes, die so für die Bewohner und das Haus nutzbar gemacht wird. Die Abrundung des Baukörper vermeidet geschickt Parallelitäten zur Zeilenbebauung an der ehemaligen Schanzenanlage und vermittelt den Hofraum auf subtile Weise mit dem Strassenraum der Kohlenberggasse. So paradox es klingen mag  wird auch der Hofraum durch diese Verengung den eher privaten Nutzungen des Hauses zugewiesen. Diese ambigude Qualität erst ermöglicht eine unterschiedliche Bespieglung des Aussenraumes. 

Die situativ angezeigte Abrundung des Gebäudes führt im Inneren zu einer um 30% kürzeren Abwicklung der Gänge und zu einem ökonomischen Flächenmanagement. Kurze Wege und optimierte Verteilung der Nutzungen sind die Folge. Der Eingang zum Haus steht im Bezug zur Kohlenberggasse und dem vorgeschaltenen Platz wo ein kleiner Brunnen eine akustische Markierung darstellt. Die zentral gelegene Lobby führt die Bewohner als auch die Besucher zu der Empfangstheke, zur Schauwerkstatt, zu der Erschliessung und zum Restaurant mit seinem hofseitigen Aussenraum. Die Einsicht mit Durchblick zum Hof verspricht eine gute und einfache Auffindbarkeit der zentralen Funktionen, was gerade für sehbehinderte Menschen die Orientierung im Haus vereinfacht. Funktional optimal liegt die Küche in direktem Bezug zum Restaurant und auch zum Servicelift der die Speisen zu den Essräumen der Wohngeschosse bringt. Im Gebäudeteil zur Frauenfachschule liegen die internen Arbeitsräume der Verwaltung und der Lingerie, die wie auch die Küche, von hier angeliefert werden können. 

 

Adresse: Türkheimerstrasse, Basel

Bauherrschaft: Settelen

Projektmitarbeit: Till Göggelmann, Mathieu Senk, Viola Hilmer, Nina Hajizadeh